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Ablauf einer Therapie?
Die Therapie beginnt mit der Kontaktaufnahme zum Tier.
Der Patient wird aktiv in die Vorbereitungen zum Ritt miteinbezogen, d.h.
putzen und satteln und streicheln. Durch die damit einsetzende hohe kognitive
Förderung automatisieren sich Gleichgewicht und Stehvermögen gleichsam „so ganz nebenher“.
Schutz- und Stützreaktionen werden notwendig, wenn das Kamel sich mitunter den
Menschen mal ganz genau anschauen möchte. Dies sind unschätzbar wertvolle
Übungen für spätere Gangsicherheiten. Unser Gehirn lernt ja nur durch
Interaktion mit der Umwelt und den notwendigen Reizen.
Das Kamel legt sich brav ab, um den Menschen aufsteigen zu lassen.
Nachdem der Patient sicher im Sitzkissen zwischen den Höckern sitzt
steht es auf. Es entstehen ein Vorwärts- und ein Rückwärtsstoß. Der
Betroffene erfährt eine starke Stimulierung des Gleichgewichtsystems
und seiner Koordination, ebenso nach dem Ritt beim Ablegen des Tieres.
Die Bewältigung dieser Herausforderung garantiert eine spätere Umsetzung
des erlernten Bewegungsgefühls im täglichen Leben. Das bedeutet, der
Betroffene wird sich allein viel sicherer fortbewegen können.
Während des Rittes werden bei entsprechender Indikation (vor allem bei
Halbseitenlähmung nach Schlaganfall) vielfältige Übungen über und am
Höcker mit und ohne Geräte(Ball, Reifen, Stäbe etc.) durchgeführt.
Während das Becken des Patienten vom Tier in die physiologische
Gangbewegung mitgenommen wird, werden gleichzeitig die oberen
Extremitäten bei durch den Ritt automatisierter Rumpfaufrichtung in
funktionelle Bewegungen gebracht. Daraus ergibt sich ein äußerst effektives
Ganzkörpertraining in der geschlossenen Muskelkette, d.h. es ist viel
einfacher für den Betroffenen, die Bewegungen auszuführen.
Es können verschiedene Bahnfiguren geritten werden, wie z.B. Schlangenlinien,
Kreise, Spiralen etc., so dass der Betroffene sich immer neu an Richtungswechsel
anpassen muß und dadurch koordinativ immer sicherer wird. Dies zeigt sich
dann nach dem Ritt auf festem Boden sehr deutlich.
Ein Trab im schaukelnden Passgang ist ein Geschwindigkeitserlebnis der ganz
besonderen Art und provoziert ebenfalls Gleichgewicht und Koordination in hohem Maße.
Vor und nach dem Therapieritt führe ich ein eingehendes Gespräch
mit dem Betroffenen. Es können vor dem Ritt noch einige vorbereitende
Übungen am Boden durchgeführt werden (auf Therapierolle) und nach
dem Ritt wird das erlernte neue Bewegungsgefühl sofort in praktische Übungen
des Alltags umgesetzt, um den Effekt zu festigen.
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